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Humorvolle Verhetzung

Humorvolle Verhetzung - Hallo allerseits! - Ich wollte eigentlich meinen Beitrag von letzter Woche weiter ausführen und die verheerenden gesundheitlichen Folgen des Langzeit- Überkonsums an Salz eingehender beleuchten. Nachdem ich mir jedoch die diesjährige Oscar Verleihung angesehen hatte, spürte ich, wie ich erneut tief in die Mühlen des scheinbar einfach nicht zu tilgenden Problems des Tyrannisierens hineingezogen worden war. Ich verspüre den aufrichtigen Wunsch, mir diese Bürde erneut von der Seele zu reden, weil mich die ganze Angelegenheit doch ziemlich aufgewühlt hat.
So also stellte Ellen Degeneres, die Moderatorin des diesjährigen vierstündigen Oscar- Marathons, ihre Schlagfertigkeit wie auch ihre Künste der Veräppelung durchaus imposant unter Beweis, und ich nehme an, sie kam damit auch bei vielen Menschen gut an. Ich, für meinen Teil, aber konnte dem keineswegs zustimmen, als sie daran ging, eine junge Oscar- Anwärterin ins Visier zu nehmen, nachdem diese letztes Jahr aufgrund eines Missgeschicks ungewollt und unnötigerweise alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Ellen hatte ganz offenbar ihren Spaß daran, jenen Stolper- Zwischenfall auf dem Weg zur Entgegennahme ihres ersten Oscars, jedermann ins Gedächtnis zu rufen. Dem nicht genug, setzte sie ihre Komödie knallhart fort und hänselte die Frau weiterhin derselben Causa wegen vor Millionen von Zusehern. Die gesamte Situation wurde noch um einiges unangenehmer für die Arme, und damit hart am Punkt der puren Peinlichkeit vorbei geschrammt, ließ Ellen die ganze Welt recht freizügig wissen, dass die junge Schauspielerin eben erst ein Da Capo desselben Missgeschicks erlebt hatte! Also, ich fand das keineswegs amüsant! "Kehre doch vor deiner eigenen Tür", fällt mir dazu spontan ein, oder auch "Wirf bloß nicht mit Steinen um dich, solange du selbst im besagten Glashaus sitzt." Leider war dies kein Einzelfall, und je mehr ich an jenem Abend hörte, desto mehr fühlte ich mich davon abgestoßen. Bei Ellen Degeneres handelt es sich um eine heimische Supergröße in puncto Berühmtheit, und tausende, wenn nicht sogar Millionen von Fans sehen zu ihr auf. Ist es demnach okay für jemanden ihres sozialen Ranges, sich dermaßen auf Kosten anderer lustig zu machen und noch dazu in humorvoller Weise? Ich überlasse es euch, darauf zu antworten. - Vor zwei Tagen verwendete die morgendliche Today Show ein gesamtes Sendungssegment auf den armen John Travolta, der sich angeblich im Rahmen des Oscar Spektakels angesichts des Namens einer Sängerin aussprachemäßig verheddert hatte. Wirklich, wen kümmert es schon? Gestern schaffte dieser Vorfall sogar den Einzug in die Hauptschlagzeilen! Das muss wohl ein Scherz sein, wie? Heute berichtete man ganz stolz darüber, dass sich John Travolta letztlich wie ein kleiner reuiger Junge für seinen Fehltritt entschuldigt hätte! Wie erbärmlich und überaus widerlich das doch ist! Offenbar um dem Ganzen etwas mehr an Energie zu schenken und dabei voll mit der heutigen Jugend mithalten zu können, wurde im sogenannten "Orange Room" kurzerhand der unsinnige Terminus "Travoltisieren" geprägt. Ich frage mich wirklich, fühlt ihr euch denn nun besser, nachdem ihr auf John erbarmungslos herumgehackt habt, und er sich in Folge so richtig beschissen fühlt? Ah, was sage ich da nur? Sind ja bloß ein paar Wortspiele und Scherze, die auf Missgeschicke, Ausrutscher, Patzer, etc. folgen, die eigentlich völlig un- erwähnenswert sind. Das ist alles, nehme ich mal an. - Liebe Ellen, liebes Today Show Team: Sich über jemanden dermaßen lustig zu machen, beziehungsweise sich einen kleinen öffentlichen Scherz auf Kosten anderer zu leisten, ist eigentlich ganz unbestritten Tyrannei, mit dem Unterschied vielleicht, dass es hierbei ein weniger stilvoller abgeht. Die Kinder heutzutage lernen aus den Nachrichten wie anderen öffentlichen massen- medialen Quellen, dass es völlig in Ordnung ist, andere zu tyrannisieren und zu drangsalieren, nachdem selbst berühmte Erwachsene dies zu tun pflegen und noch dazu ohne Angst vor etwaigen Konsequenzen. Hört doch endlich damit auf, Wasser zu predigen und stattdessen Wein zu trinken! Wie kann bloß von den Jungen angenommen werden, sie mögen ein so schäbiges Verhalten korrigieren, wenn doch die älteren und einflussreichen Generationen diese Form des Tyrannisierens so offen und heiter tolerieren und befürworten? Ganz richtig, indem wir uns regressiv wie die Kinder benehmen, wird sich die Jugend definitiv nicht der Herausforderung stellen, die Rolle der Eltern hier zu übernehmen. Warum sollte sie auch? Wir können keinesfalls ernsthaft auf ein Wunder hoffen, das aus dem Nichts heraus und noch dazu ganz von selbst das Problem der Tyrannei ein für alle Male zum Stillstand bringt, wenn doch alles, was wir tun, letztlich dem Verhalten von rücksichtslosen und unreifen Pubertierenden gleichkommt. Spaß haben schließt nicht automatisch Späße auf Kosten anderer ein, oder das Auslachen bezüglich individueller Schwächen. Wenn ihr schon unbedingt jemanden humorvoll entblößen wollt, dann wählt doch einfach stattdessen euch selbst. Nicht, dass dies, spirituell gesprochen, die bessere Lösung wäre, aber immerhin ließen sich zumindest so die Gefühle Unschuldiger schonen.    

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