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Das Streben Nach Ausgleich (I)

Das Streben Nach Ausgleich (I) - Mit fortschreitendem Alter wähne ich mich im verstärkten Maße der Vielfältigkeit und damit weniger der Einseitigkeit ausgeliefert. Nun mag man sich berechtigterweise fragen, was das bloß wieder zu bedeuten hat. Tja, das soll vereinfacht heißen, dass die fortwährende allseitige Erweiterung meines persönlichen Horizonts quasi mit der Platzschaffung eines wesentlich umfangreicheren Begriffs von Balance, in mehrfacher Hinsicht und ferner die unterschiedlichsten Lebensbereiche abdeckend, einhergeht. Stellt euch doch dazu zwei Waagschalen vor, die im Falle von konstanter Überbetonung der einen und gleichzeitigen Übermannung der jeweils schwächeren oder auch leichteren Seite durchwegs den Eindruck von eigentümlicher Entstellung hervorruft. Wie auch immer, das Leben strebt de facto in seiner Ganzheit nach natürlichem Ausgleich trotz oder gerade wegen seiner dualen Grundbeschaffenheit. Zu gern würde ich daran glauben, dass sich Weisheit dann erst bereit ist einzustellen, sobald sich unsere allgemein viel zu engstirnige wie einseitige Art und Weise der sowohl individuellen wie auch kollektiven Lebensauffassung endgültig aufzulösen beginnt. Immer wieder kehre ich in der Diskussion mit meinem Mann zu diesem Thema zurück und werde im Zuge dessen wiederholt auf die einfachsten alltäglichen Routinen hingewiesen, die mir anfänglich sehr wohl direkt ins Gesicht gestarrt haben mögen, die ich jedoch meinerseits völlig ignoriert haben muss. Weil nun einmal Zeit per Se den Hauptteil von alldem ausmacht und ihr dabei wahrscheinlich auch noch die bedeutendste und die bestimmendste Rolle zufällt, scheint die Annahme nur allzu schlüssig, dass wir Menschen, hoffentlich gleich irgendwelcher guter Trauben, schlussendlich durch die Jahre hindurch heranreifen. Dekaden an beschaulicher und verinnerlichter Einsicht hinterlassen unweigerlich ihre Spuren mit Bezug auf unsere wachsende Bewusstwerdung einer weiteren durchaus verblüffenden Facette, oder auch Twist in diesem Spiel. Hierbei ist im Grunde nichts anderes als Unzulänglichkeiten angesprochen, völlig natürlich vererbte Imperfektionen, wie gesichtsbezogene Asymmetrien oder ungleich lange Extremitäten. Solch geartete Launen der Natur erbringen leider kaum jemals befriedigende Leistungen innerhalb jenes gnadenlos wettbewerbsmäßigen Bereichs des polaren Ausbalancierens, sondern behindern diesen Prozess oftmals. Jedwede Irregularität, die etwa noch während der Jugend leicht zu maskieren war, erfährt zusehends eine Akzentuierung von beidem, ihrer Ausprägung wie auch ihres Entwicklungsstands und wird sich zuletzt zeitlich angepasst spürbar bemerkbar machen. Das eine Bein, das immer schon länger als das andere war, wird sich schließlich trotz aller natürlicher körperlicher Anstrengung, den Längenunterschied von 3- 6 cm wettzumachen, diversen Defekten wie beispielsweise skelettartigen Deformierungen, verfrühten Gelenkabnutzungen, Muskelatrophien, und vielem mehr beugen müssen. Das rechte und gleichzeitig größere Auge wird seine dimensionale Diskrepanz auf lange Sicht nur noch mehr betonen. In einem bei Weiten weniger komplexen aber dennoch makromäßigen Sinn wird derjenige, der seine Jugendjahre hindurch auf ausreichenden Schlaf verzichtete, genau das zu einem späteren Zeitpunkt restlos nachholen, ob er dies nun wünscht oder sich dessen unter Umständen gar nicht einmal bewusst ist. Jene Menschen, die als Kinder nicht ausreichend oder auch bloß dürftig ernährt wurden, tendieren bestimmten Berichten zufolge dazu, allmählich in Richtung Gegenpol auszurichten und sich fortan derart übertrieben den Magen vollzuschlagen, dass ihnen am Ende oftmals die pure Fettleibigkeit droht. Das Gros der hartarbeitenden Bevölkerung mag in ihrem Dasein spontan den Punkt erreichen, mit einem Male vom Gaspedal herunterzusteigen und sich daraufhin Stück für Stück in glatte Faulpelze, "Couch- Potatoes" oder Ähnliches zu verwandeln. Die Armut aus Kindheitstagen etwa findet ihre Form des fairen Ausgleichs bevorzugt in der Aneignung wie Anhäufung von Reichtümern. Selbst auf Mikrobasis ziehen die hier angeführten Beispiele offenbar problemlos nach. Demnach, überessen wir uns heute mal zur Abwechslung und gleichen das morgen schon wieder aus, vorausgesetzt wir hören auch auf unsere Hungersignale. Schlafen wir eventuell heute wenig bis gar nicht, so stehen die Chancen gut, das Versäumte innerhalb der nächsten paar Nächte nachzuholen. Übermäßiges Arbeiten und noch dazu über längere Strecken schreit förmlich nach einer angemessenen Auszeit, um sich eben wieder zu erholen und seine Energien neu aufzuladen. - Zusätzliche Beispiele folgen das nächste Mal.                  

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